Nach der Bundestagswahl: Die Ansätze zur Reform des Gesundheitssystems – ein kritischer Überblick

Deutschland hat gewählt. Doch der Siegesrausch der CDU währte nicht lange – nun stellt sich die ernüchternde Koalitionsfrage: Schwarz-Rot, Schwarz-Grün oder doch Rot-Rot-Grün? Jedes dieser Szenarien hätte ernsthafte Auswirkungen auf  die Zukunft des durch steigende Ausgaben gebeutelten Gesundheitssystems, dem von Experten schon seit Jahren akute Reformnot diagnostiziert wird. Deshalb gehörte die Reform des Gesundheitswesens ganz unabhängig von ihren jeweiligen Konzepten zu den entscheidendsten Wahlversprechen der Parteien.

Die im Detail unterschiedlich ausgefeilten Entwürfe der Parteien lassen sich zu folgenden Reformmodellen zusammenfassen:

1. Bürgerversicherung. SPD, Bündnis90/Die Grünen und Linkspartei vertreten die Idee, das duale Versicherungssystem abzuschaffen und künftig alle Bürger, auch Beamte, Selbstständige und Besserverdiener, mit ihrem Einkommen in die gesetzlich geregelte Finanzierung der Gesundheitsversorgung einzubeziehen. Alle Bürger sollen den gleichen Prozentsatz ihres gesamten Einkommens für die Gesundheits- und Pflegeversicherung einzahlen. Neben dem Erwerbseinkommen sollen auch Kapitaleinkünfte, wie z. B. Mieteinnahmen und Zuschüsse, für die Bürgerversicherung mit einbezogen werden. Das Ziel dabei ist, mehr soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen zu fördern, die sogenannte Zwei-Klassen-Medizin (längere Wartezeiten für Kassenpatienten) abzuschaffen und die Einnahmen der GKV zu erhöhen, um somit die Finanzierungsgrundlagen langfristig stabil zu halten.

So unterschiedlich die beiden Versicherungsmodelle auch konzipiert sind, sind sich die PKV und GKV in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Bürgerversicherung einig, zumal  Fachleute aus beiden Versicherungslagern allein die Möglichkeit der Umsetzung des Reformvorhabens bezweifeln.

Vertreter der PKV beteuern vor allem, dass ein hohes Versicherungsniveau mit Wegfall der privaten Krankenversicherung aus mangelnden Wettbewerbsmöglichkeiten nicht mehr gewährleistet wäre. Die Qualität der Gesundheitsversorgung würde sich nachhaltig verschlechtern.

Des Weiteren hätte die Einführung  der Bürgerversicherung verheerende ökonomische Konsequenzen. Denn die damit verbundene Ausweitung des Umlagesystems würde  zu einer schwächeren Kapitalbildung und damit über geringere Investitionen zu einer Dämpfung des Wirtschaftswachstums führen. Da die PKV im Gegensatz zur umlagefinanzierten GKV mit ihrem Kapitaldeckungs-Verfahren risiko- statt einkommensabhängig kalkuliert, ist sie auch weniger konjunkturanfällig.

Bei einem Wahlsieg von Rot-Rot-Grün befänden sich außerdem über 120.000 Jobs der PKV-Branche in akuter Gefahr. Auch wenn die Versicherungsverträge der Bestandskunden und damit ihr hohes Versicherungsniveau unantastbar wären, bliebe die Zukunft der 9 Millionen Privatversicherten ungeklärt. Während gesunde Neueinsteiger sich nur noch gesetzlich versichern könnten, würden die Beiträge für Altverträge durch wachsende Ausgaben explodieren.

Wird die PKV gekappt, bricht auch in den Arztpraxen Umsatz in Milliardenhöhe weg. Der Einnahmeverlust der Ärzte könnte nur durch höhere Honorare von den Krankenkassen oder eine Reduktion des GKV-Leistungskataloges bei gleichzeitigem Ausbau des privaten Zusatzversicherungsangebotes kompensiert werden. Das bedeutet entweder einen deutlichen Anstieg des Beitragssatzes oder Mehrausgaben der GKV-Versicherten für Zusatzversicherungen, sofern sie es sich leisten können. Paradoxerweise würde die Bürgerversicherung die von deren Befürwortern so verteufelte Zwei-Klassen-Medizin nur fördern, da besser verdienende Versicherte sich teure Zusatzversicherungen leisten könnten. Die Tendenz, teure Privatbehandlungen aus eigener Tasche zu bezahlen, würde steigen.

Auch für Krankenhäuser, deren Einnahmen derzeit größtenteils von Privatversicherten getragen werden, wäre die Bürgerversicherung fatal. Die von gesetzlichen Kassen erbrachten Einkünfte würden gerade reichen, um aktuelle Kosten zu decken. Damit würde auch der medizinische Fortschritt mit schwer überwindbaren ökonomischen Hindernissen konfrontiert.

Eine stetig steigende Steuerfinanzierung würde den staatlichen Einfluss auf die GKV verstärken. Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und die Erhebung von Beiträgen auf Zins- und Mieteinnahmen würden nicht nur zu einer finanziellen Belastung gut verdienender Arbeitnehmer führen, sondern auch oder gerade Bezieher mittlerer Einkommen mit einem bescheidenen Vermögen belasten.

Und last but not least ist es vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung paradox, die Abschaffung der Krankenversicherung zu fordern, die sich durch den Aufbau von Alterungsrückstellungen auf diese Entwicklung vorbereitet hat.

2. Kopfpauschale. Als Reaktion auf die Bürgerversicherung hat auch die Union ein Reformmodell zur Optimierung des Gesundheitssystems aufgestellt – die Einführung einer Kopfpauschale bzw. Gesundheitsprämie. Jeder gesetzlich Versicherte zahlt einen einheitlichen Pauschalbetrag in die Krankenkasse ein, unabhängig von der Höhe seines Einkommens. Für Bürger mit geringeren Einkommen soll es eine finanzielle Entlastung geben, die über staatliche Zuschüsse finanziert wird. In dieses Konzept sollen allerdings nur die gesetzlich Versicherten einbezogen werden. Selbstständige, Beamte und Besserverdienende würden es jedoch indirekt  durch Einzahlung der Steuern unterstützen, mit denen die Beiträge der Geringverdiener subventioniert werden sollen. Das duale Gesundheitssystem mit privater und gesetzlicher Versicherung würde nach wie vor bestehen bleiben.

Auch bezüglich des gesundheitspolitischen Programms der CDU/CSU zeigen sich die Ökonomen weitgehend skeptisch. Denn es verspricht zwar die freie Wahl des Arztes, des Krankenhauses, Therapiefreiheit und die Unabhängigkeit freier Gesundheitsberufe.  Die beiden Parteien sprechen sich für mehr Vorsorge und Rehabilitation aus und wollen die hausärztliche Versorgung attraktiver gestalten. Hinsichtlich der Finanzierung dieser Reformvorhaben gibt es allerdings bislang nur sehr vage Andeutungen.

3. PKV für alle? Ein nicht weniger extremes Pendant zur Bürgerversicherung stellt die Vision einer Gesundheitsreform im liberalen Lager dar.  Daniel Bahr (FDP) plädierte jüngst in einem Zeitungsinterview für mehr Wahlfreiheit im Gesundheitssystem in Deutschland. Nach seiner Vorstellung sollte jeder Bürger selbst entscheiden können, wie und wo er sich krankenversichert. Dies hätte die Aufhebung der Versicherungspflicht zur Folge und würde die PKV für alle Interessenten öffnen.

Während der PKV-Verband diesem Modell durchaus affirmativ gegenüber steht, hagelt es seitens des GKV-Spitzenverbands sowie der SPD und Links-Fraktion Kritik. Dabei wird dem Gesundheitsminister reine Klientelpolitik vorgeworfen. Die Umsetzung dieser Vision würde das Aus für die GKV bedeuten.

Auch wenn der Wahlausgang das letztlich gut funktionierende duale Versicherungssystem in Deutschland zunächst bestätigt, wird das kränkelnde Gesundheitswesen von Reformen nicht verschont bleiben. Der Ausgabenanstieg aufgrund demografischer Entwicklung und medizinischen Fortschritts bleibt ein Problem, dem die Wahlsieger in den nächsten Jahren wohlüberlegt begegnen sollten. Auch das Konzept der Bürgerversicherung wird trotz Wahlniederlage ihrer Befürworter als Reformpotential weiterhin im Raum bleiben.

Was meinen Sie? Welches Modell wird sich durchsetzen? Welches sollte sich durchsetzen?

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24 thoughts on “Nach der Bundestagswahl: Die Ansätze zur Reform des Gesundheitssystems – ein kritischer Überblick

  1. Ja, eine interessante Diskussion! Ich denke, der medizinische Fortschritt ist mehr der Kostenfaktor als die Demographie. Deutlich zu erkennen, bei den Zuzahlungen beim Zahnarzt. Eine Prothese will noch kaum jemand. Nur die Alternativen sind eben teurer und vermutlich auch nicht ausreichend in die Kalkulation der gestezlichen Kassenbeiträge eingeflossen. Offensichtlich auch, weil die damit verbundenen Beitragserhöhungen nicht ohne deutliche Stimmverluste vermittelbar wären. Also scheint das ganze ein Problem zu sein, das systembedingt ist.

    Viele Grüße

    • @ Wolfgang: Danke für das greifbare Beispiel.
      Der medizinische Fortschritt spielt bei der Beitragsentwicklung zweifellos eine entscheidende Rolle, zumal er sich im Unterschied zur langjährigen demographischen Entwicklung sehr schnell fortbewegt.
      Die Demographie wird vor allem für Versicherte in älteren geschlossenen Tarifen zum Problem. Während diese Tarife für gesunde Neueinsteiger geschlossen sind, steigen die Ausgaben für älter und naturgemäß pflegebedürftiger werdende Bestandskunden. Dies treibt über kurz oder lang die Beiträge in die Höhe. Lohnenswert ist deshalb ein Wechsel in gleichwertige jüngere Tarife.

    • Ich bin seit 35 Jahren in der PKV und zahle jetzt die Prämien für die jungen Versicherten mit. Jeder sollte sich überlegen ob er im Rentenalter noch
      700-800 € an monatsbeiträgen zahlen kann. Ich über 20 Jahre meiner Mitgliedschaft nicht krank, das wird bei der PKV nicht berücksichtigt .
      Kostensteigerungen durch neue medizinische Errungenschaften werden schon
      seit 40 Jahren mindestens alle 2 Jahre als Alibi für Erhöhung der Beiträge genutzt, demnach müßte der Mensch schon unsterblich sein. Pflichtversicherte Freunde bekommen auch Hüfte- Knie- und andere Leistungen und durch Zusatzversicherungen kaum schlechtere Leistungen.

  2. Bin 69 Jahre alt und wurde 1993 in die PKV regelrecht übertölpelt. In keiner Weise wurde mir das stetige Ansteigen der Beiträge erläutert. Bis zum heutigen Tage ist ein Anstieg von 485% eingetreten. Als ehemaliger Freiberufler stehe ich jetzt ständig vor der Frage, wie bringe ich den nächsten Monatsbeitrag auf. Ich warne jeden Menschen in die PKV einzutreten, aber wenn schon dann im Alter mit 56 Jahren schnell wieder in die gesetzliche. Da freut sich dann auch die PKV. Warum werden Aztleistungen von der PKV höher vergütet. Schnell abschaffen und die Differenz den Versicherten mit geringeren Prämien zu Gute kommen lassen. Bei der Werbung muß ehrlich von den versicherungsvertetern gearbeitet werden. Provisionen haben nichts mit Kosten der Versicherten zu tun. Verbietet der PKV mit der Gesundheit von Menschen Geschäfte zu machen. VERBIETET die P K V !!!

  3. Bin 69 Jahre alt und wurde 1993 in die PKV regelrecht übertölpelt. In keiner Weise wurde mir das stetige Ansteigen der Beiträge erläutert. Bis zum heutigen Tage ist ein Anstieg von 485% eingetreten. Als ehemaliger Freiberufler stehe ich jetzt ständig vor der Frage, wie bringe ich den nächsten Monatsbeitrag auf. Ich warne jeden Menschen in die PKV einzutreten, aber wenn schon dann im Alter mit 56 Jahren schnell wieder in die gesetzliche. Da freut sich dann auch die PKV. Warum werden Aztleistungen von der PKV höher vergütet. Schnell abschaffen und die Differenz den Versicherten mit geringeren Prämien zu Gute kommen lassen. Bei der Werbung muß ehrlich von den versicherungsvertetern gearbeitet werden. Provisionen haben nichts mit Kosten der Versicherten zu tun. Verbietet der PKV mit der Gesundheit von Menschen Geschäfte zu machen. VERBIETET die P K V !!! Frankreich ist ein Superbeispiel!

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag, Herr Rentzsch.
      Ja, es ist in der Tat so, dass die PKV zunächst mit niedrigen Beiträgen lockt, die sich Jahrzehnte später aber verdreifachen.

      Wenn Sie für die Beiträge nicht mehr aufkommen können, steht Ihnen zwar der Wechsel in die GKV bis zum 55. Lebensjahr frei. Allerdings behält der Versicherer in diesem Fall alle von Ihnen in diesen Jahren angesammelten Alterungsrückstellungen.

      Möglicher Ausweg wäre ein Wechsel in den Basis- bzw. Standardtarif, dessen Preis-Leistungs-Katalog dem der GKV angepasst ist. Allerdings büßen Sie dann Leistungen ein, für die Sie jahrelang gezahlt haben, um davon im Alter Gebrauch zu machen. Und gerade im Alter ist man auf komplexere Behandlungen oft angewiesen. Aus dem Basistarif in einen höherwertigen Tarif zurück zu wechseln, ist wiederum sehr schwierig.
      Sie könnten innerhalb Ihrer Versicherungsgesellschaft nach Tarifen schauen, die günstiger sind als Ihr aktueller Versicherungsschutz und gleichwertige Leistungen bieten. Dabei ist es ratsam, sich von einem unabhängigen Honorarberater anstatt von einem provisionsinteressierten Makler helfen zu lassen. Mehr zu dem Honorarmodell als verbraucherorientierte Dienstleistung können Sie in einem anderen Beitrag unseres Blogs nachlesen: http://www.dgprivatpatienten.de/blog/das-honorarmodell-als-verbraucherorientierte-alternative-fuer-die-versicherungsvermittlung/

  4. mein Antwortschreiben auf den „Wahlkampfbrief „der Barmenia am 19.9.:

    Barmenia Versicherungen
    Vorstandsvorsitzenden
    Herrn Eurich
    Barmenia-Allee 1
    42119 Wuppertal

    18.9.2013
    Ihr Vorstands-Schreiben vom 13.9.2013(siehe Rückseite)

    Sehr geehrter Herr Eurich,

    Ihr Schreiben zur Bundestagswahl ist schon ein dreistes Stück und beleidigend für einen einigermaßen ausgereiften Intellekt des Empfängers.

    Sie betreiben in Ihrem Schreiben knallharte Lobbypolitik und geben auch noch Empfehlungen für die BTW2013 ab, die Ihrem Auftrag als privatem Gesundheitsfürsorger nicht entsprechen. Diese Entscheidung muss jeder Wähler unabhängig und für sich selbst treffen. So sagt es das GG der BRD!

    Ihr Schreiben ist so voller Lügen und Behauptungen, dass eine Antwort zwingend notwendig ist.

    Jeder mit Vernunft und Verstand weiß, dass die Bürgerversicherung kommt, ja kommen muss.
    Wir haben bereits eine 2-Klassenmedizin!!
    Und wie andere Bereiche der öffentlichen Vorsorge kann unsere Gesellschaft nur im sozialen Konsens aus Dauer überleben, wenn diese Vorsorgebereiche, zu denen auch Bildung und Verkehr gehören, dem Profitinteresse dauernd entzogen werden.

    Zu ihren Argumenten kann ich Ihnen duzende Gegenargumente liefern, aber am einfachsten ist wohl die eigene Erfahrung:

    Meine Eltern sind gesetzlich versichert , haben Pflegestufe 1 und leben in einem Seniorenheim. Ein Termin beim Orthopäden : bei mir: 7 Tage, bei meiner Mutter: 6 Monate.
    Augenarzt: bei mir: 1 Tag, bei meiner Mutter: 4 Wochen…noch mehr?.. kein Problem!

    Es ist vorgekommen, das ich beim Urologen in ein volles Wartezimmer kam und sofort aufgerufen wurde, obwohl vor mir mindestens 5 ältere Leute warteten. Ich habe mich verweigert und gewartet, bis die Damen und Herren vor mir dran waren.

    Ein medizinisches System ist krank, dass Kranke warten lässt und Leute wie mich bevorzugt, die dem Arzt mehr Geld bringen. Das ist einfach krank!!!!

    Eine solidarische Versicherung verhindert solche inhumanen Verwerfungen und die PKV kann auch da noch Ihren Platz finden. Es gibt genügend Zusatzversicherungen, die den Bürgern das Geld aus der Tasche locken können, aber medizinisch nicht unbedingt grundsätzlich notwendig oder aber ergänzend sind.

    Ich finde Ihr Schreiben dermaßen anmaßend, dass ich mir gestatte, es zu veröffentlichen und diversen Redaktionen mit einem grundsätzlichen Kommentar zuzusenden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jens Winkelmann

    • Vielen Dank, dass Sie Ihre Meinung mit uns geteilt haben, Herr Winkelmann!

      Dass das duale Gesundheitssystem eine 2-Klassen-Medizin fördert, ist leider unumstritten. Jedoch ist die PKV nach wie vor für junge Neueinsteiger mit überdurchschnittlichem Einkommen attraktiv, zumal sie für Selbstständige und Freiberufler, deren Beiträge vom Arbeitgeber nicht bezuschusst werden, zunächst günstiger ist als die GKV.

      Sehr interessant wäre für uns zu erfahren, wie die Argumentation der Barmenia zur BW-Debatte und den Reformvorhaben aussieht.

  5. Ich bin 55 J. und seit ca 25J in der PKV.
    Meine Erfahrungen mit der PKV sind zumindest zwiespältig. Medizinische Versorgung ok. Jedoch ist unübersehbar dass Ärzte sich teilweise sehr bemühen mit mir unter dem Vorwand der Qualität Umsatz zu generieren. Weiterhin warne ich vor Tarifwechseln, die grundsätzlich und immer die Position der PKV stärken wenn man genau hinsieht, Bsp Hausarztmodell, ein Trick der darauf abzielt dass Überweisungen übersehen werden, Zahlungsziele verlängert werden (zB wenn der Hausarzt die Rechnung Monate nach dem Facharzt sendet) und damit Kürzungen durch Abrechnungsfehler einhergehen bzw Korrekturaufwand beim Versicherten abgeladen wird. Die Leistungsabrechnungen werden unübersichtlich und bürokratischer und damit spart die Versicherung eine Menge Geld weil Versäumnisse unweigerlich passieren.
    Fazit: Versicherer bewegen sich nur innerhalb der Legalität weil sie gute Lobbyarbeit machen. Recht haben ist eben nicht gleich Recht bekommen. So manches Tarifdetail hat fragwürdige Hintergründe.
    Ich würde heute nicht mehr in die PKV wechseln und hoffe auf eine Reform die mir den Weg heraus ermöglicht. Mein Misstrauen in das System ist tief. Meinen früherer unsolidarischen Egoismus bereue ich, denn unter dem Strich habe ich keine Beitäge gespart, aber das fehlende Vertrauen in die PKV macht mir Sorgen.

  6. Ich bin seit Anfan der 90 ger Jahre bei der PKV versichert. Bei Vertragsabschluß hat mir der Vertreter nicht gesagt , daß ein Austritt bis zum 55.Lebensjahr möglich ist. Außerdem wurde die Bemessungsgrenze viel zu hoch angesetzt. Ich bin seit 1990 selbstständiger Unternehmer in einem Gewerbe das mich finanziell gerade mal so am Leben erhält. Ich habe meinen Versicheungsbeitrag aus Kostengründen auf die unterste Ebene (Standarttarif) herunterfahren müssen und bin somit fast der GKV gleichgestellt. Heute, als Rentner, frißt die GKV fast 50% meiner Rente auf. Ich bin also gezwungen ab März 2015, nach Beendigung meines Berufslebens, beim Sozialamt vostellig zu werden und um finanzielle Unterstützung bitten. Das Ganze nennt man dann im Volksmund wohl Altersarmut. Ich plädiere für die sofortige Abschaffung der PKV und würde eine dem Einkommen entsprechende Bürgerversicherung den Vorrang geben.

    • Danke, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben, Herr Wohlmann.
      Ja, das Problem ist auch, dass die GKV für Sie als Selbstständigen von vornherein teurer gewesen wäre als der private Krankenversicherungsschutz. So locken die PKV-Anbieter jüngere Versicherungsnehmer mit niedrigen Beiträgen und besseren Leistungen in die PKV. Für immer mehr ältere Privatpatienten stellen Beitragserhöhungen dann eine große finanzielle Belastung dar. Nach den Kommentaren zu unserem Blog zu urteilen, sind Sie da bei weitem nicht allein.

  7. Ausgabenanstieg (s.a. PKV für alle?):
    -demografisch begründet? zum Teil.
    -med. Fortschritt (Fort-Schritt)? Solange Erwerbsmedizin, weitab vom Eid des Hippokrates, das Sagen hat, laufen wir weiter in die Spirale der Kostenexplosion hinein.
    Also: Kostenverantwortung beim Verursacher, kontrollierte (nicht durch Erfüllungsgehilfen der Pharmaindustrie – die KV halte ich für einen solchen).

  8. Das System der PKV ist von vorneherein darauf abgestellt, den Versicherten auszuplündern. Innerhalb von 2 Jahren jeweils eine Betragssteigerung um über 50%!
    Der Trick ist simpel: nach einer gewissen Zeit werden Tarife geschlossen, d.h. es kommen keine neuen, junge (gesunde) Beitragszahler hinzu, die Ausgaben für die dann in dem Tarif noch übrig geliebenen „Alten und Kranken“ steigen. Wann und warum ein Tarif geschlossen wird liegt alleine im Ermessensspielraum der Versicherung, die dann wiederTarife mit identischem Leistungssspektrum nur unter anderem Namen wieder anbietet. Betrügerisches Verhalten dass auch noch von den Aufsichtsorganen gedeckt wird.
    So werden Nachlässe für junge Neueinsteiger subventioniert. Leider geht es den Versicherungen sehr schlecht, man schaue sich nur die Verwaltungsgebäude an!
    Es gibt auch „Beitragsrückerstattungen“. Auch so eine Mogelpackung. Da holen sich die Versicherungen kostenlose Finanzmittel , zinsfrei, bei ihren Versicherten ab und deklarieren diese im vornherein kalkulierten „Darlehen“ dann eben als „Wohltat“.
    Auch ich bin als ehem. Freiberufler gezwungen in einen Standart-Tarif zu wechseln, weil meine Rente über 700 Euro Beitrag für die PKV einfach nicht hergibt. Also als Versicherter mit über 35 Jahren in der PKV, nun fast schlechter versichert als in der GKV. Freiberufler sind ja üblicherweise kaum in Arztpraxen zu finden und bekommen nun die Quittung. Altersrückstellung? Das kommentiere ich lieber nicht.

    • Die Gesellschaften bieten natürlich hauptsächlich aus dem Grund, neue Tarife für das Neugeschäft an, weil diese mit nierdriger kalkulierten Beiträgen attraktiver und damit wettbewerbsfähiger sind.
      Subventionierung jüngerer Tarife findet dabei nicht unbedingt statt. In alten Tarifen zahlt man halt mehr, weil die darin Versicherten allgemein – unabhängig vom Einzelfall – ein höheres Leistungsrisiko darstellen.
      Aber damit – da haben Sie recht – ist das ganze nicht als Solidarsystem wie die GKV angelegt. In einzelnen Fällen ist es besonders problematisch, weil selten Leistungen beansprucht wurden und werden, aber dennoch die Beiträge massiv sind.
      Hierfür hat der Gesetzgeber ja gerade mit dem Wechsel innerhalb der Gesellschaft eine zusätzliche Option geschaffen.

  9. Erfreulicherweise habe ich es geschafft, meine Mitgliedschaft bei der PKV nach 8 Jahren zu kündigen und auf halb-legalem Wege in die GKV zu wechseln. Hierzu war weder eine Phase der Arbeitslosigkeit notwending, noch bin ich als Angestellter unter die Beitragsbemessungsgrenze gerutscht; es geht einfach, man muss nur wissen wie.
    Warum erfreulicherweise? Zum einen, weil ich zusätzlich zu meinem PKV-Tarif nach 6 Jahren auch noch 3 PKV-Einzeltarife für meine Kinder hätte abschliessen müssen (wobei hierfür der Arbeitgeber nicht 50% der Beiträge übernommen hätte). Zum anderen, weil ich als absolutes Negativbeispiel meine Eltern vor Augen habe. Vater Handwerksmeister mit eigenem Betrieb und Mutter Hausfrau, beide seit 53 Jahren bei der PKV „pflicht“versichert (als Handwerksmeister mit eigenem Betrieb flog man 1960 aus der GKV und musste sich privat versichern). Jahreseinkommen (inkl. Mieteinnahmen) als Ruheständler = € 25,000.-
    Zwischenzeitlich gehen die Mieteinnahmen von 2 Eigentumswohnungen Monat für Monat an die PKV, dabei liegen deren Leistungen nach div. „Abspeck“-Aktionen zwecks Beitragsreduzierung (u.a. Erhöhung Eigenanteil Ambulant) deutlich unter denen der GKV.

    Unsere Rentensysteme stehen in den nächsten 10 Jahren vor dem Kollaps, da wird es für manchen der heutigen Besserverdiener dann ganz, ganz eng werden, wenn der die Beiträge zur PKV einkommensunabhängig weiterlöhnen darf…

  10. hallo herr kübler, ich bin jetzt 58 jahre alt und schon ewig in der PKV die Beiträge sind auch schon drastisch gestiegen und mir geht es genauso wie Ihnen, ich würde gerne wieder zurück in die gkv ich bin seit 10 Jahren schwerbehindert mit 100 % und ich hätte gerne gewußt ob es irgendeine möglichkeit gibt aus der PKV noch auszusteigen und in die gesetzliche wieder zu kommen

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