Psychische Erkrankung als K.O.- Kriterium für PKV und BU?

Die Volksleiden Burnout und Depression kosten die  Wirtschaft und das Gesundheitssystem jährlich mehr als 50 Milliarden Euro. Als Ursachen für Berufsunfähigkeit haben sie Rücken- und Herz- und Kreislaufleiden längst abgelöst. Je früher Betroffene einen Arzt zu Rate ziehen, desto schneller können sie auch mit einem Therapieerfolg rechnen. Doch aufgrund der oft inhumanen Risikopolitik der Versicherer, werden Kostenübernahmen im Fall einer Behandlungsnotwendigkeit oder Berufsunfähigkeit in Folge einer depressiven Erkrankung oft versagt oder mit Beitragszuschlägen behaftet.

Ob ein längerfristiger Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik oder eine ambulante Psychotherapie – bevor sie zahlen, verlangen Assekuranzen gründliche Gutachten. Abhängig vom vereinbarten Versicherungsvertrag bieten die privaten Versicherer entweder umfassendere Leistungen als die gesetzlichen Kassen oder sie schließen die Kostenübernahme für psychiatrische Behandlungen von Vornherein komplett aus.

Ob Zuschläge gefordert werden oder psychische Erkrankungen generell von Leistungen ausgeschlossen sind, hängt vom Unternehmen ab. Mit einem gründlichen Blick in die Konditionen und einem Informationsgespräch sollten Verbraucher sich Klarheit verschaffen.

Da es zur Risikopolitik der PKV gehört, die Kostenwahrscheinlichkeit bei allen möglichen Vorerkrankungen zu überprüfen, reagieren private Krankenversicherer in jedem Fall sehr vorsichtig auf „psychisch vorbelastete“ Kandidaten und lassen sich im Zweifelsfall lieber einen Kunden entgehen als ein solches Risiko zu versichern. Schwierig wird es, wenn es sich beim Patienten bloß um eine „depressive Episode“ gehandelt hat, er aber bei den Gesundheitsfragen angeben muss, ob bereits auch nur psychologischer Beratungs- oder Behandlungsbedarf festgestellt wurde. Sollte dies der Fall sein, werden vom Versicherer Nachforschungen angestellt und Risiken ausgewertet, was auf dieselbe „prophylaktische Ablehnung“ hinausläuft oder im besten Fall Risikozuschläge.

Kunden der privaten Krankenversicherung sollten unbedingt vor Therapiebeginn eine schriftliche Zusage zur Kostenübernahme von ihrer Versicherungsgesellschaft anfordern. Es sollten mindestens 30 Therapiesitzungen im Jahr im PKV-Schutz inbegriffen sein.

Aber nicht nur die Zahl der übernommenen Sitzungen ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für oder gegen einen PKV-Tarif. Kunden und Berater sollten auch vergleichen, wie hoch die Erstattung der Kosten jeweils ist. 100 Prozent Erstattung klingt zunächst einmal optimal. Wenn aber nach der 30. Sitzung im Kalenderjahr Schluss ist, schneiden Versicherte dort schlechter ab als bei Versicherern, die die Kosten bis zur 50. Sitzung zu je „nur“ 75 Prozent übernehmen.

Ein weiterer Hauptpunkt auf der Vollversicherungs-Checkliste ist, wer die Behandlung überhaupt übernehmen darf. Keine Probleme gibt es bei ärztlichen Psychotherapeuten, die nach ihrem Medizinstudium noch eine psychotherapeutische Weiterbildung angeschlossen haben. Wer aber zu einem psychologischen Psychotherapeuten gehen will, sollte sich vorher erkundigen, ob der Anbieter auch dann die Kosten übernimmt. Diese Psychotherapeuten haben ein Psychologiestudium abgeschlossen und sich anschließend auf die Psychotherapie spezialisiert. Bei einigen Versicherern fallen sie durchs Raster. Bei anderen Anbietern muss vor der Behandlung erst eine schriftliche Zustimmung eingeholt werden.

Da Burnout und Depression wirklich jeden treffen könnten, ist es ratsam, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen, die auch Leistungen im Fall einer psychischen Erkrankung vorsieht. Probleme könnten auftauchen, wenn bereits Erkrankte eine BU abschließen wollen. Sie müssen im schlimmsten Fall damit rechnen, dass ihr Antrag abgelehnt wird. Alternativen sind höhere Beiträge, abgespeckte Tarife oder der Ausschluss bestimmter Leistungsursachen, auch bei Gesunden.

In der Berufsunfähigkeitsversicherung geht es hauptsächlich um die Frage: Wird ein Versicherter, welcher schon einmal eine Psychotherapie in Anspruch nahm, schneller berufsunfähig? Auch hier sind die Ansichten der Unternehmen durchaus unterschiedlich. Einige Versicherer verwenden Ausschlüsse. Damit wird bei Antragstellung vereinbart, dass eine psychische Erkrankung nicht zur Leistung aus dem Berufsunfähigkeitsvertrag führt. Andere Unternehmen lehnen dieses strikt ab. Als Begründung wird hierbei insbesondere angeführt, dass der Bereich der psychischen und auch psychosomatischen Erkrankungen nicht klar abgrenzbar ist. Daher wäre im Leistungsfall nicht klar zu definieren, ob es sich nun um einen versicherten Leistungsfall handelt, oder dieser ausgeschlossen ist. Außerdem begründet ein „klassisches“ Burnout zunächst noch keine Berufsunfähigkeit. Nach einigen Monaten Therapie könne die Frage gestellt werden, ob ein Burnout-Patient zur Rückkehr ins Erwerbsleben fähig sei – Jobwechsel nicht ausgeschlossen. Bei Depression ist Berufsunfähigkeit schneller möglich. Präzise Diagnosen sind allerdings schwierig. Diese Unsicherheit gehört zu den hohen Hürden, die Versicherungsnehmer nehmen müssen. Das kostet Zeit, Nerven und Geld.

Da Gutachter der Versicherer manchmal versuchen, kranke Menschen als gesund einzustufen, raten Verbraucherschützer,  zusätzlich  zur BU eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Die könnte die für Gutachten fälligen fünfstelligen Beträge übernehmen.

Menschen, die die Berufsunfähigkeitsversicherung wegen psychischer Erkrankungen nicht akzeptiert, bietet die Branche andere Optionen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nennt Erwerbsunfähigkeits-, Unfall- und Grundfähigkeitsversicherung als Alternative. Letztere springe ein, wenn bestimmte Fähigkeiten infolge einer Krankheit, altersbedingtem Verschleiß oder eines Unfalls verloren gehen.

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2 thoughts on “Psychische Erkrankung als K.O.- Kriterium für PKV und BU?

    • Sehr geehrter Herr Peters,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und den informativen Link. Sie haben schon Recht, wenn Sie sagen, dass nach einer bereits eingetretenen psychischen Erkrankung, eine BU-Versicherung zu finden schier unmöglich ist. Das Risiko, dass Sie wegen schon bestehender Depressionen irgendwann nicht mehr arbeiten können, ist den Versicherern zu hoch.
      Es zu versuchen, lohnt sich jedoch, zumal die Chance umso größer wird, je länger die Erkrankung zurückliegt. Da einige Versicherer bei Vertragsabschluss beispielsweise den Gesundheitszustand der letzten fünf Jahre erfragen, könnte man somit von einer „Verjährung“ der Krankheit profitieren.

      Mit freundlichem Gruß,

      Ihr Blog-Team

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