Rechnungserstattung in der privaten Krankenkasse

Viele verbinden die Private Krankenversicherung mit der besten medizinischen Versorgung. Spätestens seit dem Urteil des Amtsgerichtes München vom 31. Oktober 2012, das Anfang September dieses Jahres veröffentlicht wurde, wird klar, dass private Krankengesellschaften unter bester medizinischer Versorgung etwas anderes verstehen als ihre Versicherten.

Bei dem oben genannten Urteil musste das Gericht entscheiden, ob eine Klausel in den Versicherungsbedingungen für eine private Krankenvollversicherung, nach der Hörgeräte und sonstige Hilfsmittel in „angemessener Ausführung“ erstattet werden dürfen, rechtskräftig ist. Ein Privatpatient aus München kaufte auf ärztliche Verordnung ein technisch hochwertiges Hörgerät für circa 4100 Euro. Seine Versicherung wollte jedoch die Kosten für ein Gerät in „angemessener Ausführung“, in dem Fall wären es 2100 Euro, erstatten. Das inzwischen rechtskräftige Urteil besagt, dass eine solche Einschränkung die Versicherten unangemessen benachteilige und somit nichtig sei.

Kostenerstattungsprinzip in der PKV: So läuft die Kostenerstattung ab

Mit solchen und ähnlichen Hürden müssen Privatpatienten bei der Kostenerstattung kämpfen, auch wenn diese im Allgemeinen keine komplizierte Angelegenheit ist. Privatversicherte bekommen nach einer ärztlichen Behandlung eine Rechnung, die sie privat begleichen müssen. Die Rechnung ist bei dem Versicherer einzureichen. Dieser erstattet die Kosten dem Versicherten. Da jedoch Ärzte dem Patienten in der Regel eine 2-3-wöchige Zahlungsfrist gewähren und die Mehrheit der privaten Versicherer innerhalb von 2 Wochen die Versicherungsleistung erstatten, brauchen viele Versicherte nicht in Vorkasse zu treten. Beim Einreichen ambulanter Rechnungen ist es zu beachten, dass es sich um Originale handelt. Rezepte müssen stets mit den dazugehörigen Arztrechnungen eingereicht werden. Beihilfeberechtigte Versicherte machen ihre Beihilfeansprüche geltend, indem sie die Rechnungen zuerst an die zuständige Beihilfestelle senden. Im zweiten Schritt reichen sie die Rechnungskopien, die mit dem Vermerk versehen wurden, dass Beihilfe erstattet wurde, bei ihrem Krankenversicherer ein. Die Krankenhausrechnungen werden dagegen direkt an Versicherungen geschickt.

Umfang der Rechnungserstattung in der PKV: Etwa jede 10 Rechnung wird beanstandet

Anders sieht es aus, wenn private Krankenversicherung und Versicherte unterschiedlicher Auffassungen bezüglich des Umfangs der zu erstattenden Kosten sind. Fälle, wie die Ablehnung der Erstattung von Arztrechnungen mit der Begründung, der Arzt habe diese nicht entsprechender der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) abgerechnet oder das Hinterfragen der Notwendigkeit einiger Medikamente bzw. ärztlicher Behandlung mit der Begründung, diese seien nicht medizinisch notwendig, kennen viele Privatpatienten zur Genüge. Abfinden müssen sie sich damit jedoch nicht. Privatversicherte können sich bei Schwierigkeiten mit ärztlichen Honorarfragen an die zuständige Landesärztekammer wenden und die betreffende Arztrechnung prüfen lassen. Im Streitfall ist der Ombudsmann zuständig. Lehnt dieser die Beschwerde des Privatversicherten ab, führt der Weg vor Gericht. Dieser lohnt sich in vielen Fällen, wie das Beispiel des schwerhörigen Patienten aus München beweist.

 

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11 thoughts on “Rechnungserstattung in der privaten Krankenkasse

  1. Hallo, nach meiner Erfahrung in der PKV kann ich nur jeden empfehlen die Finger von der PKV zu lassen.4 Wochen warte ich aufs Geld,dann fehlen Beträge woh wieder gekürtzt wird was ich aber nicht wissen kann (Medikamente)Es wird nur das billigste bezahlt und was das schlimme ist,ich bin im Basistariv versichert als Rentner und mir wurde schon von einigen Ärzten die Behandlung verweigert, obwohl ich Schmerzen hatte, mußte dann unterschreiben das ich die Mehrkosten bezahle.Na Danke schön.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Luckner. Es passiert leider immer wieder, dass Privatpatienten lange auf ihr Geld warten müssen. Noch häufiger gibt es Meinungsunterschiede zwischen Krankengesellschaften und Privatversicherten hinsichtlich des Umfangs der Kostenerstattung. Bei Ihnen kommt noch die Tatsache dazu, dass Sie im Basistarif versichert sind, von dem man am besten die Finger lässt, da seine Leistungen teilweise noch unter den der gesetzlichen Krankenversicherung liegen. Es handelt sich hier eindeutig um eine verbesserungsbedürftige Stelle im unseren Gesundheitssystem, um die sich der Gesetzgeber kümmern müsste.

      • Leider ist der Basistarif aber für viele nicht vermeidbar!
        Was das Vorkasseproblem anbelangt, so ist in Einzelfällen zu prüfen, ob Ärzte auch mit einem längerfristigen Zahlungsziel einverstanden sind. So könnte man zunächst auf das Geld der Versicherung warten und dann die Rechnung bezahlen.
        Viele Grüße!

        • Bei Unklarheiten zum Leistungskatalog lohnt es sich bereits im Vorwege die Leistungsabteilung des Versicherers zu kontaktieren. Auf diesem Wege erfährt man noch vor einer Behandlung, welche Kosten erstattet werden.

    • Herr Luckner,
      ich bin in einer ähnlichen Situation, PKV Basistarif, Rentner
      Ich wende mich jetzt an sämtliche Institutionenen (Verbraucherzentrale, Bund der Versicherten usw.) mit dem Ziel einer Gesetzesänderung.
      Ich suche dabei weitere Mitstreiter.
      Ich habe nächste Woche einen Gerichtsverhandlung gegen meine PKV, diese möchte ich erst abwarten.
      Ich bitte um Kontaktaufnahme EgonKnaus@t-online.de
      Grüße

  2. Ich bin froh, daß ich in einer privaten Krankenkasse bin.
    Die Kosten werden zu einem Teil von meiner Krankenkasse bezahlt. Sonst könnteich nicht mehr zum Arzt gehen.
    Die Rechnungen sind zu hoch.

    • Hohe Prämien in der PKV stellen ein ernstes Problem dar, das vor allem ältere Privatpatienten in den Ruin treiben kann. Wenn Sie mit dem Leistungsniveau Ihrer Tarife zufrieden sind, die monatlichen Prämien aber zu hoch finden, sollten Sie vielleicht über den Tarifwechsel nach § 204 VVG nachdenken, bei dem Ihre Gesundheitskosten gesenkt werden können.

      • Hallo, ein <<<tarifwechsel wurde mir angeboten, er lag noch ca.200€ über dem jetzigen Tarif mit einer Selnstbeteiligung von 450€ ,jedoch bekomme ich dann keinen Zuschuß vom Sozialamt,gilt nur beim Basistarif. Gut gedacht!!!!!

        • Hallo Herr Luckner,
          bei einem Wechsel aus dem Basistarif in einen besseren Tarif (der kann in wenigen Ausnahmefällen sogar billiger sein) ist, vor allem das Problem, dass dabei eine erneute Prüfung stattfindet, eben weil der Tarif bessere Leistungen beinhaltet und nicht „nur“ gleiche. Besteht nun Krankheit oder gibt es aktuelle Behandlungen, ist der Wechsel nicht ohne weiteres möglich.
          Und wenn der Tarif dann auch noch teurer ist und nicht bezuschusst wird, dann – da haben Sie recht – ist der Wechsel in der Tat nicht sinnvoll.
          Beste Grüße
          Ihr BLOG-für-Privatpatienten-Team

  3. Hallo,ich weis das der Basistarif die Holzklasse der PKV ist,aber nur in dieser Klasse bekomme ich einen Zuschuß vom Sozialamt.Da schon da die Hälfte meiner Rente als Beitrag drauf geht Ein Tarivwechsel wurde mir angeboten welcher noch 150€ teurer wäre wie mein jetziger Beitrag, also keine Chance einer Verbesserung.Obwohl ich nur 6Jahre in der PKV war habe ich keine Chance da wieder rauszu kommen,leider(bis 55 Jahre) Alle Anträge und Bitten blieben erfolglos.

  4. Hallo,

    augenscheinlich haben wir alle mit der Versicherung das Problem. dass bei der Kostenerstattung Abschläge gemacht werden.Kann jemand einen guten Rechtsanwalt empfehlen, der auf diesem Gebiet firm ist.

    freundliche Grüße
    E. Wille

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