Sorge um die Pflege: Sind die Kosten im Alter noch tragbar?

Die Sorge um die Pflege treibt die Deutschen mehr denn je um. In der heutigen Zeit hat das Thema deutlich an Brisanz zugenommen. Dazu tragen unter anderem der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung bei. Mit dem höheren Lebensalter wächst leider auch das Risiko, irgendwann fremde Hilfe zu benötigen, sei es wegen körperlicher Schwäche oder Demenz.

Ab dem 01.01.2017 wurde ein neues Gradierungssystem eingeführt, das fünf Pflegegrade statt wie bisher drei Pflegestufen unterscheidet (vgl. Abb. 1).
Mit dem Pflegestärkungsgesetz soll der Pflegebedürftigkeitsbegriff neu definiert und ein neues Begutachtungsverfahren etabliert werden. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken fällt weg. Im Zentrum steht der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen.

Wichtig bei der Einstufung wird künftig sein, wie selbstständig der Versicherte noch ist und inwiefern er einer Unterstützung bedarf. Das Zählen von Minuten, die zur Pflege nötig sind, fällt mit dem neuen Verfahren weg.

–          Pflegestufe 0 → Pflegegrad 1

–          Pflegestufe 1 → Pflegegrad 2

–          Pflegestufe 1 + eingeschränkte Alltagskompetenz → Pflegegrad 3

–          Pflegestufe 2 → Pflegegrad 3

–          Pflegestufe 2 + eingeschränkte Alltagskompetenz → Pflegegrad 4

–          Pflegestufe 3 → Pflegegrad 4

–          Pflegestufe 3 + eingeschränkte Alltagskompetenz → Pflegegrad 5

–          Härtefall → Pflegegrad 5

(Abb.1)

Da durch die Reform sichergestellt wird, dass ungefähr eine halbe Million Menschen zusätzlich Leistungen erhält, werden die Kosten hierfür hauptsächlich von der Anhebung des gesetzlichen Beitragssatzes zur Pflegeversicherung getragen, die viele Versicherte seit dem 01.01.2017 hinnehmen müssen.

Was viele nicht wissen, ist aber, dass die Leistungen aus der privaten Pflegepflichtversicherung nach wie vor eine Art Teilkaskoversicherung sind und bei weitem nicht alle Kosten der Pflegebedürftigkeit abdecken. Die Höhe der Leistung aus der privaten Pflegepflichtversicherung richtet sich nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. Bei Pflegegrad 4 (stationäre Pflege) zum Beispiel erhält man hieraus ca. 1.775 Euro – und das bei Pflegekosten in Höhe von rund 3.311 Euro im Monat (vgl. Abb. 2). Die Differenz von über 1.500 Euro muss der Pflegepatient selbst tragen.

(Abb. 2)

Wenn man also die tatsächlich anfallenden Kosten (grau) mit den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung (pink) vergleicht, erkennt man schnell die hohen Versorgungslücken (rot).
Der Eigenanteil an den Pflegekosten wird aus der eigenen Rente und dem vorhandenen Vermögen finanziert und hat oftmals einen beträchtlichen Vermögensschaden zur Folge.

Zunächst werden alle nicht durch die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckten Kosten aus den laufenden Einkünften des Pflegebedürftigen finanziert. Sollten alle offenen Pflegekosten bereits hiervon problemlos gezahlt werden können, bleibt das Vermögen des Pflegebedürftigen und der unterhaltspflichtigen Person unangetastet. Andernfalls werden Teile des Vermögens zur Finanzierung herangezogen.

Wenn das Vermögen nicht vorhanden oder bereits aufgezehrt ist, müssen Familienangehörige für die Pflegekosten aufkommen.
Der § 1601 BGB besagt: Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Tatsächlich kann aus der gesamten Linie ersten Verwandtschaftsgrades Unterhalt für den Unterhaltsberechtigten gefordert werden. Dazu gehören: Ehegatte, Kinder, Eltern. Vor den anderen Verwandten haftet der Ehegatte und zwar mit seinem gesamten Einkommen und Vermögen und hat somit unter Umständen selbst keine Altersvorsorge mehr.
Sofern die unterhaltsrechtliche Inanspruchnahme des Ehegatten nicht zu einer vollständigen Deckung der offenen Kosten führt, werden die Kinder auf mögliche Haftung geprüft.
Die Festsetzung des Schonvermögens der unterhaltspflichtigen Kinder sowie die Höhe der angemessenen Altersversorgung ist dabei Einzelfallentscheidung des zuständigen Sozialamtes und richtet sich nach Status, Einkommen und Wohnort des Unterhaltspflichtigen.

Die allgemeine Dauer einer Pflegebedürftigkeit wird oftmals zwischen sechs und acht Jahren angegeben. Doch dieser Durchschnittswert ist wenig aussagekräftig. Zum einen sollte hier die Lebenserwartung von Frauen und Männern unterschieden werden, zum anderen nach Pflegestufen oder Vorliegen der Demenz.

Die mit einem Pflegefall verbundenen Kosten können also enorm sein und zu einem erheblichen finanziellen Schaden führen. Dieser Schaden kann sich „nur“ als ein Vermögensschaden auswirken. In vielen Fällen wird er aber zur Existenzbedrohung und Belastung für die ganze Familie.

Trotz aller Pflegereformen ist die private Pflegevorsorge deshalb sehr wichtig. Denn auch wenn die Leistungen im Pflegegrad 5 ab 2017 bei stationärer Pflege auf  2.005 € angehoben wurden, decken diese lange nicht die tatsächlichen monatlichen Kosten von ca. 3.500 €, sodass die soziale Pflegeversicherung ihren Teilkasko-Charakter beibehält. Über 1.000 € sind nach wie vor monatlich aus dem Einkommen der Pflegerentner bzw. von deren Angehörigen zu zahlen.

Kommentieren Sie als Facebooknutzer! Sie Sind kein Facebooknutzer? Kein Problem! Nutzen Sie einfach unsere eigene Kommentarfunktion weiter unten auf der Seite!

1 thought on “Sorge um die Pflege: Sind die Kosten im Alter noch tragbar?

  1. Die Frage ist, wer beantragt die Pflegeversicherung im Ernstfall? Da ich allein stehend bin, dürfte da eine Schwirigkeit auftreten. Aber erst mal Zwangsabgabe, über alles weitere unterhalten wir uns später.
    Die schwarzen und roten Nullen scheinen wenig Lebensrealität zu haben. Bei über 50 % Singelhaushalten wird die häusliche Pflege durch Angehörige nicht zu decken sein. Da hat man wohl nicht richtig nachgedacht.
    Dann bleibt wohl nur die Abkürzung über das Balkongelender übrig.
    Na, Herr Scheuble, da haben sie dann schwirigkeiten.
    Aber es wird sich schon eine polnische Pflegkraft finden, mit den 300000,- Euro schaffen sie das.

Schreibe einen Kommentar