Tarifwechsel statt Beitragserhöhung. Kann man den Vorschlägen der Versicherer vertrauen?

Seit dem 1.1.2016 haben sich viele namhafte Branchen-Vertreter verpflichtet, die vom PKV-Verband formulierten Tarifwechsel-Leitlinien einzuhalten. Diese legen unter anderem fest, den von einer Beitragssteigerung betroffenen PKV-Kunden konkrete günstigere Alternativtarife vorzuschlagen. Die Auswahl dieser Alternativen wird dabei vom Versicherer selbst vorgenommen. Ob der Kunde darauf vertrauen kann, bleibt allerdings fraglich.

Meistens geht ein Wechsel in die vom Versicherer vorgeschlagenen Alternativtarife automatisch mit Leistungseinbußen einher. Dies ist aus unternehmerischer Sicht durchaus verständlich. Denn warum sollte der Versicherer bessere oder gleichwertige Leistungen zu einem geringeren Preis anbieten?

Was viele Versicherungsnehmer aber nicht wissen können, ist dass es viele Fälle gibt, in denen ein Wechsel in einen günstigeren Tarif keine oder nur geringe Leistungsverschlechterungen zur Folge hat. Die Erfahrung zeigt sogar, dass einige leistungsstärkere Tarife inzwischen für bestimmte Kunden günstiger sind als leistungsschwächere Absicherungen.

Dahinter steckt eine komplexe Dynamik. Wenn ältere und behandlungsbedürftige Kunden ihre leistungsstarken, teuer gewordenen Tarife nicht mehr bezahlen können, wechseln sie in günstigere, leistungsschwächere Tarife, um Kosten zu sparen. Je mehr Ältere und Kranke jedoch in „abgespeckte“ Günstigtarife wechseln, umso mehr steigen auch dort die Kosten. So kommt es dazu, dass leistungstechnisch besser gestellte Tarife, die der Versicherer für das Neugeschäft mit einer jungen und gesunden Klientel auf den Markt bringt, günstiger sind als die sogenannten „Magertarife“.

Diese günstigen Topleistungstarife, auch „Lockvogeltarife“ genannt, den durch Beitragsanpassungen gebeutelten leistungsbedürftigen Bestandskunden anzubieten, ist nicht im wirtschaftlichen Sinne des Versicherers. Denn je günstiger der Tarif, desto weniger Geld bekommt der Versicherer für seine Leistungen.

Weil die Lage der Versicherer durch die Niedrigzinsphase, die regelmäßig steigenden Gesundheitskosten und die Bewegung innerhalb der Tariflandschaft so angespannt ist, jonglieren sie also entsprechend bei ihren Tarifen. Die Kunden haben keinen Einblick in den Verlauf dieser Entwicklung und können die Vorschläge der Versicherungsgesellschaft oft nicht einordnen. Auch wenn die Angebote der Versicherer auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, so lohnt sich oftmals eine genauere Prüfung, ob es tatsächlich die beste Option ist.

Wenn Sie eine zweite Meinung zu Tarifvorschlägen Ihrer Versicherungsgesellschaft benötigen, können Sie sich hier informieren.

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2 thoughts on “Tarifwechsel statt Beitragserhöhung. Kann man den Vorschlägen der Versicherer vertrauen?

  1. Kann ich als 69 jähriger überhaupt noch vom abgespeckten Basistarif (z.B. bei der HUK Einsteigertarif E100 genannt mit 100€ Selbsbehalt) zu einem sog. Nomaltarif wechseln? Ich glaube das macht die HUK nicht.
    Die bieten nur alternativ den Einsteigertarif E1000 an, also mit 1000 € Selbstbehalt /Jahr. In eine andere KV werde ich auch nicht mehr aufgenommen oder?

    • Sehr geehrter Herr Müller,

      vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
      Theoretisch ist ein Wechsel aus dem Basistarif möglich. Wenn man aber aus einem „abgespeckten“ Tarif in einen leistungsstärkeren Tarif wechselt, wird von der Versicherungsgesellschaft eine Gesundheitsprüfung verlangt. Sollten bei Ihnen Gesundheitsrisiken bestehen, werden Tarife mit verbesserten leistungen mit Risikozuschlägen behaftet, sodass es sich am Ende finanziell nicht lohnen könnte.
      Sie können selbstverständlich Ihren privaten Versicherer wechseln. Dabei verlieren Sie allerdings Ihre über Jahre angesparten Alterungsrückstellungen.
      Wenn Sie noch unter 55 sind, können Sie sogar in die gesetzliche KV zurück wechseln.

      Mit freundlichem Gruß

      Ihr BLOG-für-Privatpatienten-Team

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