Vorsorge (III): Wege zur Pflege – Wenn gewöhnliche Tätigkeiten nicht mehr selbstverständlich werden.

Zwar haben die Brüder Wolfgang und Thomas Stegner im Laufe ihrer jeweiligen Berufstätigkeit für den kommenden Ruhestand gut vorgesorgt. Die Immobilien sind abbezahlt. Wolfgang Stegner hat etwa 400.000 Euro an Zusammengespartem, dessen Anlagen gut gestreut sind.
Thomas Stegner, der aufgrund seiner teuren Hobbys und seiner Begeisterung für Fernreisen einen finanziell etwas aufwendigeren Lebensstil pflegte, hat mit der Hälfte, den 200.000 Euro immer noch genug auf der hohen Kante.
Jedoch haben die beiden Herren dank neuer medizinischer Maßnahmen noch einen Lebensabend von etwa 20 Jahren vor sich, der sehr teuer werden könnte – vor allem wenn man zum Pflegefall wird.
Denn oftmals banale Krankheiten wie eine nicht richtig verheilte Bronchitis oder schlicht altersbedingter Kräfteverfall können zu dauerhaften Einschränkungen in der Mobilität oder der Fähigkeit, allein zu hauswirtschaften, führen.

Um im Alter geschmeidig und würdevoll zu „entsparen“, sollten sich Wolfgang und Thomas Stegner auf Kosten vorbereiten, die auf Sie bei Pflegebedürftigkeit zukommen könnten.
Stellen wir uns mal vor, die Brüder genießen ihren Ruhestand satte zehn Jahre – reisen um die Welt, pflegen ihre Hobbys, kümmern sich nach Möglichkeit um ihre Enkel.
Im Alter von 75 Jahren werden beide von jeweils altersbedingtem Schicksalsschlag ereilt: Thomas Stegner erleidet einen Schlaganfall, der vor allem zu Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat und somit zu dauerhafter Einschränkung der Grob- und Feinmotorik führt. Bei Wolfgang Stegner, der in seinem Job stets großem psychischem Stress ausgesetzt war, wird Demenz diagnostiziert. Neben der psychischen Vorbelastung könnte die Demenzerkrankung von W. Stegner durch Umweltfaktoren wie direkte Sonneneinstrahlung, Abgase, etc. ausgelöst worden sein. Somit wird – für Thomas Stegner im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig, für seinen Zwillingsbruder nach und nach – das tägliche Leben nicht mehr selbstverständlich. Es handelt sich zwar um Einschränkungen, mit denen man durchaus leben kann. Man müsste sich aber über die zu erwartenden Kosten dafür im Klaren sein.

1. Wenn Alltägliches zur Herausforderung wird.

Thomas Stegner, der durch den Schlaganfall körperliche Schäden erlitten hat, braucht bereits bei der Verrichtung elementarer Tätigkeiten wie der Nahrungsaufnahme und der Körperpflege Unterstützung. Dafür hat er zum Glück seine fürsorgliche Ehefrau bei sich, die die Nahrungszubereitung und die hauswirtschaftliche Versorgung übernehmen kann. Was die Unterstützung bei der Mobilität angeht, wird es schon schwieriger. Thomas Stegner kann sich aufgrund seiner partiellen Lähmung nur im Rollstuhl fortbewegen. Thomas Stegners Frau kann ihrem Mann zwar in den Rollstuhl helfen. Allerdings möchte Herr Stegner seine Frau nicht auch noch mit der Ausführung der täglichen Körperpflege belasten. Die Stegners haben zwei erwachsene Kinder. Der Sohn wohnt aber 200 km weit entfernt. Der Wohnort der Tochter dagegen liegt relativ nah, sodass sie fürs Erste bei der Pflege des Vaters unterstützen kann. Im Akutfall hat sie Anspruch auf Freistellung vom Arbeitgeber für bis zu 10 Tagen. Bei dauerhaft benötigter Pflege kann sie sich sogar bis zu 6 Monaten freistellen lassen. Weil ihre körperlichen Kräfte aber angesichts des progressiven Gebrechens begrenzt sind und sie außerdem keine dauerhaften Gehaltseinbußen hinnehmen möchte, ist Herrn Stegners Tochter dafür, eine ambulante Pflegefachkraft einzustellen, damit ihr Vater so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben kann.

Zum Glück noch ambulant: Welcher Bedarf muss finanziert werden?

Thomas Stegner, der während seiner Berufstätigkeit viel um die Welt reiste und teure Hobbys wie Golf und Segeln unterhielt, hat nicht so viel an Ersparnissen wie sein Bruder. Da er aber zunächst die Pflegestufe 1 bekommt, die max. 90 Minuten Pflege am Tag vorsieht, kann er das aus seinen Rentenleistungen und Reserven ganz gut finanzieren. Der Pflegeaufwand dieser Stufe kostet in seinem Bundesland monatlich 540 Euro. Thomas Stegner hat zwar das Glück, privat krankenversichert zu sein. Im Fall Pflege sind aber alle vor dem Schöpfer gleich, denn die private Pflegepflichtversicherung leistet exakt das gleiche wie die gesetzliche. Von den 540 Euro würde die Pflegepflichtversicherung nur 244 Euro übernehmen, sodass eine monatliche Versorgungslücke von 296 Euro entsteht, die Thomas Stegner aus eigener Tasche decken muss. Laut Statistiken des Bundesamtes sind Menschen in Deutschland durchschnittlich 8 Jahre pflegebedürftig. Somit würden nach 8 Jahren 28.416 Euro an Pflegekosten auf Thomas Stegner zukommen, vorausgesetzt, es bleibt bei der Pflegestufe I. Personen, die zu Beginn der Pflege in einer PS I eingestuft werden, haben einen wesentlich besseren Gesundheitszustand als Personen, die zu Beginn der Pflege in eine PS II oder PS III kommen. Aus diesem Grund haben sie statistisch eine längere Pflegedauer. Nach 10 Jahren werden es schon 35.520 Euro, die Thomas Stegner für seine Pflege aufwenden muss. Und aller Wahrscheinlichkeit nach bleibt es nicht bei der Stufe I, da Thomas Stegner mit den Jahren älter und gebrechlicher wird.
Um zu Hause gepflegt zu werden, ohne seinen Angehörigen groß zur Last zu fallen, muss Herr Stegner sein Haus zunächst auf Pflegebedürftigkeit „tunen“. Bei diesen barrierereduzierenden Umbaumaßnahmen, die neben dem pflegegerechten Umbau des Badezimmers noch Türverbreiterungen, fest installierte Rampen und Treppenlifte implizieren, belaufen sich die Kosten auf etwa 25.000 Euro. Damit ist Thomas Stegner schnell bei 60.520 Euro. Außerdem steigen die monatlichen Kosten für seine PKV inklusive der Risikozuschläge für ihn und seine Gattin stetig an.

Eine rechtzeitig abgeschlossene Pflegezusatzversicherung schützt das Vermögen.

Zum Glück hat Thomas Stegner genug angespart, um diese Kosten zu decken. Allerdings sorgt er sich auch darum, dass seine etwa gleichaltrige Ehefrau ebenso jeden Tag zum Pflegefall werden könnte, sodass die Pflegekosten sich verdoppeln. Um den Haushalt nicht den Kindern aufbürden zu müssen, müsste sich das Ehepaar Stegner wahrscheinlich über kurz oder lang in einem Pflegeheim stationär versorgen lassen. Zwar haben die Stegners noch das Haus als Kapital. Das würden sie allerdings am liebsten den Kindern vererben.
In so einem Fall wäre eine Pflegeversicherung hilfreich, die am besten abzuschließen ist, solange noch keine ernsthaften Vorerkrankungen, geschweige denn K.o.- Krankheiten wie Schlaganfall eingetreten sind. Dann hat man noch Zugang in günstige Tarife, die im Fall der Fälle die entstandene Pflegelücke in Form einer monatlichen Pflegerente oder eines Pflegetagegeldes schließen. So bleibt das private Vermögen des Pflegebedürftigen sowie das seiner Kinder geschützt.

2. Szenario Demenz

Bei Wolfgang Stegner wurde mit 75 Jahren Demenz diagnostiziert.
Im Frühstadium fällt ihm zunächst die selbstständige Lebensführung etwas schwerer, ein unabhängiges Leben ist aber noch weitgehend möglich. Die Symptome im Frühstadium sind anfangs oft nicht von gewöhnlicher Altersvergesslichkeit zu unterscheiden. Der Übergang von den normalen Alterseinschränkungen zur Demenz verläuft eher schleichend. In der Regel wird Demenz deshalb erst diagnostiziert, wenn man bereits in die fortgeschrittene Phase eingetreten ist.
Irgendwann verstärken sich die Symptome. Die Bewältigung des Alltags wird deutlich schwieriger und ist ohne Hilfe von außen kaum mehr zu leisten. Für einen gesunden Menschen einfache Handlungen wie sich ankleiden, einkaufen, essen usw. werden zu unlösbaren Problemen.
Wolfgang Stegners Kinder leben in den USA und Canada und können bei seiner alltäglichen Pflege keine Hilfe leisten. Zunächst bekommt er die Pflegestufe II und kann durch den ambulanten Pflegedienst und durch seine Ehefrau in gewohnten vier Wänden unterstützt werden. Mit der Zeit könnte aber die vor allem psychische Belastung für seine Frau, die außerdem unter Bluthochdruck leidet, schwer erträglich werden.
Die finale Phase der Demenz bedeutet den endgültigen geistigen Abbauprozess, nun auch begleitet von zunehmenden körperlichen Symptomen. In dieser letzten Phase ist der Demenzkranke rundum auf Pflege und Versorgung von außen angewiesen. Deshalb bekommt Wolfgang Stegner die Pflegestufe III und muss stationär gepflegt werden.

Betreuung im Heim: Kostenprognose

In dem Bundesland, in dem Herr Stegner wohnhaft ist, betragen die monatlichen Pflegekosten bei Stufe III 3.401 Euro, von denen 1.612 Euro von der gesetzlichen Pflichtversicherung getragen werden. Zu decken bleibt somit eine Versorgungslücke von 1.789,00 Euro monatlich. Nach der durchschnittlichen Pflegedauer von 8 Jahren belaufen sich die eigens zu tragenden Kosten auf 171.744 Euro.
Laut Statistiken haben die Demenzkranken durchschnittlich die längste Pflegedauer, gerade weil sie körperlich oft noch sehr gesund sind. Eine Verweildauer in der Pflege von zehn Jahren und mehr ist hier deshalb keine Seltenheit. Bei Pflegestufe III würden die Pflegekosten für Wolfgang Stegner schon 214.680 Euro betragen. Das ist selbst bei seiner Rente und dem angesparten Vermögen eine Menge. Damit ist außerdem nur die reguläre Pflegeleistung abgegolten. Wer für sich oder seine Lieben medizinische Zusatzleistungen oder eine bessere Betreuung wünscht, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Und auch einer wie Wolfgang Stegner möchte nicht sein ganzes Vermögen für die Pflege verzehren, sondern für seine Kinder und Enkel etwas übrig lassen. Auch seine Ehefrau könnte jederzeit pflegebedürftig werden und sollte nicht auf das gewohnte Lebensniveau verzichten müssen.

Tagegeld oder Pflegerente? Welche Pflegeergänzung ist zu empfehlen?

Eine sinnvolle Ergänzung zum Versicherungsmindestschutz im Pflegefall wäre auch in Wolfgang Stegners Fall eine private Pflegezusatzversicherung.
Über spezielle Pflegezusatztarife, z.B. in Form von Tagegeldern lässt sich der Versicherungsschutz für den Pflegebereich aufstocken. Eine Pflegezusatzversicherung kann bis zum 75. Lebensjahr abgeschlossen werden und sichert im Härtefall ab.
Allerdings muss bei einer Pflegezusatzversicherung, unabhängig von den dargestellten Fällen, in Betracht gezogen werden, dass es sich hierbei meistens um eine Risikoversicherung handelt, bei der, sollte die Pflegebedürftigkeit nicht eintreten, am Ende nichts rauskommt.
Auch da hat sich der Versicherer Lösungen überlegt, um den Schutz attraktiver zu machen. Die Pflegerente ist zum Beispiel eine Art Hybrid aus Pflege- und Rentenversicherung. Sie kann bei Ausbleiben der Pflegebedürftigkeit vom Versicherten auch im hochbetagten Alter gekündigt werden. In diesem Fall bekommt er den Großteil der eingezahlten Summe ausgezahlt.
Beim Pflegetagegeld kann man zumindest dafür vorsorgen, dass die Hinterbliebenen im Todesfall eine vor Abschluss vereinbarte Summe erstattet bekommen. Der Todesfallschutz ist dabei eine Art zusätzliche Aufstockung des Pflegetagegeldes und in der Summe umso höher, je mehr man monatlich für die Versicherung zahlt.

Würdevoll altern, niveauvoll „entsparen“: was für den Ruhestand noch zu bedenken wäre.

Die Pflege-Schicksale der beiden Brüder sind freilich ausgewählte Worst-Case-Szenarien, die hoffentlich nie eintreten werden. Klar müsste jedem Ruhestand-Novicen aber sein, dass er die letzten 30 Jahre gespart hat, um unter anderem auf angemessenem Niveau zu altern und möglichst viel Vermögen an seine Nachkommen weiter zu geben oder seinem Partner zu hinterlassen.
Im Fall Pflege wäre also zu überlegen, wie viel angespartes Kapital man monatlich für die Differenz zwischen den tatsächlichen und von der gesetzlichen Versicherung gedeckten Kosten aufbringen könnte und wie lange. Zwar wurde statistisch ermittelt, dass die Pflegedauer durchschnittlich 8 Jahre beträgt. Einen Patienten, der 25 Jahre als Pflegefall lebt, dürften diese Statistiken aber nicht sonderlich interessieren.

Zum Glück haben die Helden unserer Serie, Thomas und Wolfgang Stegner, nicht nur finanziell hinreichend vorgesorgt, sondern können sich auch über Partner und Kinder an ihrer Seite freuen, die im Fall starker Hilfsbedürftigkeit in ihrem Sinne handeln würden.
Wer vertritt aber z. B. den irgendwann schwer dementen Wolfgang Stegner und dessen pflegebedürftige Ehefrau rechtsgeschäftlich und gesetzlich, leben seine Kinder doch im fernen Ausland? Und wie vermeidet man generell Maßnahmen, die nicht im eigenen Sinne sind, wenn man durch körperliche oder geistige Altersgebrechlichkeit seinen Willen nicht mehr selbstbestimmend erklären kann? Diese Themen werden Gegenstand unserer nächsten Folge zur Ruhestandplanung sein.

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