Wie Rückstellungen für Beitragsrückerstattung Beitragserhöhungen abmildern

Ob geplant oder nicht – die großen Versicherungsunternehmen scheinen aktuell eine zweigleisige Kommunikationsstrategie hinsichtlich der PKV-Beitragsanpassungen im kommenden Jahr zu verfolgen. Je nach Zweck werden unterschiedliche Zahlen herausgegeben. Doch wie ist dies eigentlich möglich?

Seit Ende September 2016 ist bekannt, dass es im Jahr 2017 zu „ungewöhnlichen“ Beitragsanpassungen in der PKV kommen wird. Losgetreten von der Versicherungswirtschaft selbst, wurde in namhaften Tageszeitungen wie FAZ und Co. von regelrechten „Preisexplosionen“ und Erhöhungen der Beiträge um bis zu 12% berichtet.

Vom VersicherungsJournal konkret auf die anstehenden Veränderungen angesprochen, gibt rund die Hälfte der 18 größten Versicherungsgesellschaften plötzlich nur noch „moderate Steigerungsraten für die Beitragsanpassungen (BAP)“ an.

Mancher Kunde, der bereits Post von seiner Gesellschaft mit konkreten Informationen zu den individuellen Anpassungen erhalten hat, kann beruhigt aufatmen. Die Erhöhungen fallen für einige weit weniger drastisch aus, als zunächst befürchtet. Was allerdings bleibt, ist Verunsicherung und eine gewisse Skepsis gegenüber dem, was noch kommen mag.

Wie kommen die unterschiedlichen Zahlen zustande?

Sicherlich bedauert es der Kunde nicht, wenn die BAP weniger drastisch ausfallen, als erwartet. So war es womöglich auch Ziel der Versicherungsgesellschaften, Kunden zunächst „auf das Schlimmste vorzubereiten“, um diese dann doch scheinbar zu „verschonen“. Gegenüber der Politik sollte die wirtschaftlich ungünstige Lage der Unternehmen unterstrichen und im besten Fall sogar ein Umdenken hinsichtlich der anhaltenden Niedrigzinspolitik erwirkt werden.

Welches Ziel die Versicherer auch immer mit etwaigen höheren Angaben verfolgt haben, möglich machen solche Varianzen die so genannten Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB). Bei den RfB handelt es sich um Rückstellungen im Jahresabschluss der Versicherer, die in erster Linie dem Versicherungsnehmer zu Gute kommen sollen. Jährlich konstant durch die erwirtschafteten Überschüsse zurückgelegt, kann das Versicherungsunternehmen in einem gewissen Rahmen selbst entscheiden, welche Beträge aus den RfB den Versicherungsnehmern gutgeschrieben werden. Die RfB können in der PKV insbesondere dafür genutzt werden, starke Beitragsanpassungen abzumildern.

BAP möglicherweise nur aufgeschoben?

Wo es 2017 zu geringeren Anpassungen kam, könnte dies also auch bedeuten, dass eine ursprünglich stärkere Beitragserhöhung vorerst aus den Rückstellungen finanziert wird. Für Versicherer ist dies hilfreich, um alte Kunden nicht zu verlieren und potentielle Neukunden nicht zu verschrecken. Klar ist jedoch, dass bei anhaltend niedrigem Zinsniveau auch die Überschüsse von Versicherern und damit auch die RfB darben werden, sodass eine nachhaltige Vermeidung von Beitragserhöhungen mittels des Einsatzes der RfB unwahrscheinlich ist.

Hier können Sie schätzen lassen, inwieweit eine Überprüfung Ihres PKV-Tarifs auf Einsparmöglichkeiten erfolgversprechend ist.

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