Sie finden diese Informationen hilfreich? Dann weisen Sie auch Ihre Freunde und Bekannten in sozialen Netzwerken darauf hin!
Facebook

Was ist Bürgerversicherung? Welche Folgen würde die Umsetzung der Bürgerversicherung für mich als privat Versicherten haben?

Die Grundidee der Bürgerversicherung

Der Entwurf für die Einführung einer Bürgerversicherung in Deutschland wurde 2003 von der Rürup- Kommission zur langfristigen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung vorgelegt. SPD, Bündnis90/Die Grünen, Linkspartei sowie die Gewerkschaften vertreten die Idee, das duale Versicherungssystem abzuschaffen und künftig alle Bürger, auch Beamte und Selbstständige, mit ihrem Einkommen in die gesetzlich geregelte Finanzierung der Gesundheitsversorgung einzubeziehen. Alle Bürger sollen den gleichen Prozentsatz ihres gesamten Einkommens für die Gesundheits- und Pflegeversicherung einzahlen. Neben dem Erwerbseinkommen sollen auch Kapitaleinkünfte, wie z. B. Mieteinnahmen und Zuschüsse, für die Bürgerversicherung mit einbezogen werden. Das Ziel dabei ist, mehr soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen zu schaffen und die Einnahmen der GKV zu erhöhen, um somit die Finanzierungsgrundlagen langfristig stabil zu halten. Der Vorwurf der Kritiker, die hauptsächlich aus dem liberalen und konservativen Lager kommen, lautet, die Bürgerversicherung würde durch die Reduktion oder gar den Wegfall des Wettbewerbs unter den Versicherern die Qualität der Gesundheitsversorgung nachhaltig verschlechtern.

Zwei Reformmodelle Bürgerversicherung vs. Kopfpauschale im Überblick

1.Bürgerversicherung

Die Bürgerversicherung wird in jeweils unterschiedlichen Varianten von der SPD, dem Bündnis 90/Den Grünen und der Linkspartei befürwortet. Hierfür gibt es mehrere Konzepte mit jeweils unterschiedlichen Reformansätzen. Nach dem Entwurf zur Bürgerversicherung der SPD gilt es, die Beitragsbemessungsgrenze für Arbeitnehmer konstant zu halten und somit keine weiteren Einkommensarten zur Beitragsbemessung hinzuzuziehen. Das Bündnis 90/Die Grünen fordern dagegen eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze auf das Rentenversicherungsniveau sowie die Einbeziehung der Einkommen aus Vermietung und Verpachtung, Honoraren sowie Kapitalerträgen. Weitere Unterschiede bestehen im Finanzierungskonzept sowie in der Ausgestaltung der Familienversicherung. Hier stellt sich die Frage, ob es für Ehepartner oder Lebenspartner ohne eigenes Einkommen künftig weiterhin eine beitragsfreie Mitversicherung geben soll oder nicht. Ziel des Konzepts der Bürgerversicherung der SPD, des Bündnis 90 und der Linkspartei ist es, das Gesundheitssystem solidarisch sowie gerecht zu konzipieren und medizinische Leistungen auf einem hohen qualitativen Niveau aufrechtzuerhalten.

2. Kopfpauschale / Gesundheitsprämie

Als Reaktion auf die Bürgerversicherung hat auch die Union ein Reformmodell zur Optimierung des Gesundheitssystems aufgestellt – die Einführung einer Kopfpauschale bzw. Gesundheitsprämie. Jeder gesetzlich Versicherte zahlt einen einheitlichen Pauschalbetrag in die Krankenkasse ein, unabhängig von der Höhe seines Einkommens. Für Bürger mit geringeren Einkommen soll es eine finanzielle Entlastung geben, die über staatliche Zuschüsse finanziert wird. In dieses Konzept sollen allerdings nur die gesetzlich Versicherten einbezogen werden. Selbstständige, Beamte und Besserverdienende würden es jedoch indirekt durch Einzahlung der Steuern unterstützen, mit denen die Beiträge der Geringverdiener subventioniert werden sollen. Das duale Gesundheitssystem mit privater und gesetzlicher Versicherung würde nach wie vor bestehen bleiben.

Eine Zusammenfassung der Positionen der verschiedenen Parteien finden sie auch im "Deutsches Ärzteblatt" unter folgendem Link.

Folgen der Bürgerversicherung für die PKV

Neuversicherte wie Selbstständige und Beamte würden der Bürgerversicherung zugeordnet werden und müssen somit in die gesetzliche Krankenversicherung eintreten. Für Kunden, die bereits in einer privaten Krankenkasse versichert sind, ändert sich zunächst nichts. Zum Problem für Altkunden werden allerdings die im Laufe der Jahre steigenden Beiträge, da keine neuen gesunden Kunden mehr in die PKV eintreten.
Die Auflösung der PKV-Vollversicherung würde für Ärzte mit vielen Einnahmeausfällen einhergehen. Diese könnten nur durch höhere Honorare seitens der GKV kompensiert werden. Eine dazu erforderliche Steuererhöhung würde in erster Linie Bürger mit bescheidenem Einkommen belasten. Eine andere Möglichkeit, die steigenden GKV-Beiträge abzufedern, wäre die Reduktion der Leistungen. Mehrleistungen wären nur in Form von teuren Zusatzversicherungen zugänglich. Deshalb bleibt das Konzept der Bürgerversicherung bei nach wie vor umstritten, während dessen Umsetzung von Kritikern als unrealistisch betrachtet wird.

Fazit der Bürgerversicherung

Mit der bevorstehenden Bundestagswahl im September 2013 werden die Weichen für die Umgestaltung unseres Krankenversicherungssystems gestellt. Alle Parteien wollen im Falle eines Wahlsieges ihr Konzept der Bürgerversicherung so schnell wie möglich umsetzen. Diesbezüglich bleibt es spannend, ob in den nächsten Jahren eine Bürgerversicherung oder Kopfpauschale / Gesundheitsprämie eingeführt wird.

Haben Sie noch Fragen? Dann bieten wir Ihnen gern folgende Möglichketen:

Zurück